• Lebensprozesse respektieren

  • Entspannte Umgebung

  • Respektvolle, liebevolle Beziehungen

  • Eigene Entscheidungen

  • Eigeninitiative

  • Authentische Bedürfnisse respektieren

Schule ohne Schule.

 

Die Lindenschule wird demnächst 30 Jahre alt:

von Steve Heitzer

Eine eigene Schule zu gründen, ist in den Augen der Gesellschaft wahrscheinlich eine ähnlich dubiose Sache, wie eine neue Form von Geld zu erfinden. Dennoch gibt es mittlerweile weltweit nicht nur viele Experimente in Sachen Geld, sondern auch sehr ungewöhnliche Schulen.

Was die Lindenschule nicht bietet

Wenn mich jemand fragt, was die Lindenschule ist, oder was in dieser Schule anders ist als in den "normalen" Schulen, kann ich ganz leicht sagen, was es hier nicht gibt:

  • Keine Klassen,
  • keinen verpflichtenden Unterricht,
  • keine Prüfungen,
  • keine Noten,
  • keine Hausaufgaben.

Obwohl es mittlerweile weltweit eine Menge ähnlicher Schulen gibt, mutet diese Beschreibung für die allermeisten Menschen völlig paradox an, quasi wie Schule ohne Schule.

Was sich für SchülerInnen aus dem Regelschulsystem vielleicht wie das Paradies auf Erden anhört, klingt für die meisten Erwachsenen völlig utopisch und zwingt sie förmlich zu den Fragen: "Kann da jeder machen, was er will?" Und: "Wie soll den hier überhaupt jemand irgendetwas lernen?" Die zweite Frage stellen auch schon Kinder, die gerade mal ein paar Jahre in der Regelschule verbracht haben und leider schon gelernt haben, lernen mit Schule gleichzusetzen.

Was macht die Lindenschule aus?

Aber was die Lindenschule ausmacht - jenseits davon, was sie nicht zu bieten hat - ist nicht so leicht gesagt. Das Äußerliche lässt sich noch recht einfach beschreiben: knapp 50 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 15, 5-6 Erwachsene verteilt auf einen weitläufigen Garten und 7 Räume, die Platz und Material für so unterschiedliche Aktivitäten wie Kochen, Werken, Musizieren, Rechnen, Fußballspielen, Lesen, Kuscheln, Quatschen, Rollenspiel bieten und für vieles mehr.

Die Kinder können den ganzen Vormittag frei entscheiden, wo, mit wem, womit und wie lange sie sich beschäftigen. Die Erwachsenen geben manchmal Anregungen, begleiten Kinder in Konflikten oder beim Organisieren eigener Projekte, bieten ihnen Geborgenheit und bleiben in Kontakt mit ihnen, halten sich aber im Hintergrund und sind verantwortlich für eine entspannte Umgebung, in der Spielen, Lernen und Arbeiten möglich sind.

Dabei macht unsere Schule keinen Unterschied zwischen diesen drei Tätigkeiten. Oft sind sie quasi identisch. Genauso wenig werten wir die verschiedenen Aktivitäten der Kinder. Ob sie in ein Rollenspiel vertieft sind, an einem Werkstück arbeiten, sich im Garten bewegen oder Hütten bauen, kochen, mit Montessorimaterial arbeiten oder ein Arbeitsblatt machen oder, oder, oder - wir glauben an den "inneren Bauplan des Kindes" (Montessori), der das Kind zu dem führt, was hier und jetzt dran ist und was es zu entwickeln gilt.

Wir maßen uns nicht an zu verstehen, wie die Individualität jedes Kindes es mit all dem in Kontakt bringt, was es für sein Leben braucht. Wir können nur immer wieder staunen, wie unverwechselbar jedes Kind einen eigenen Weg geht.

Deswegen lässt sich das Wesen unserer Schule am besten durch Geschichten beschreiben. Geschichten aus dem Alltag der Schule, Geschichten von Kindern, die ihren Weg machen, Geschichten von ihren Konflikten und ihren Projekten, Geschichten von Lehrerinnen, die genauso lernen müssen und dürfen, wie die Kinder, Geschichten von Eltern, ihrer oft mühsamen Hintergrundarbeit für Gebäude, Garten, Organisation und Gemeinschaft und ihrem Ringen um das nötige Vertrauen in den individuellen Weg ihres Kindes...

Geschichten aus 15 Jahren Lindenschule, die an verschiedenen Orten schon erzählt worden sind, die wir aber auch sammeln wollen, um sie für alle nachlesbar zu machen und um einen Geschmack zu verleihen für das, was eine solche Schule ausmacht.

Es sind die Geschichten des Alltags, in denen die unglaubliche Kraft, die Schönheit, der Wissensdurst und die Lebenslust der Kinder und Jugendlichen spürbar wird. Das soziale Miteinander und Voneinander-Lernen der Kleinen und Großen, der starke Gerechtigkeitssinn und das große Verantwortungsgefühl, die in so einer von Respekt und Achtung getragenen Gemeinschaft wachsen. Diese Geschichten werden in einem Buch gesammelt, das 2006 im Rahmen der 15-Jahres-Feier vorgestellt werden soll - näheres dann auf dieser Website!

Wie lernt hier überhaupt jemand irgendetwas?

Aber noch zurück zu der für die meisten geradezu zwingenden Frage: Wie können Kinder in so einer Schule überhaupt etwas lernen? Dazu gibt es eine kurze Antwort und eine lange.

Hier die kurze: Auf eine ähnlich vorwurfsvolle Frage, ob sie denn hier tun können, was sie wollen, antwortete einmal ein Kind aus einer Montessori-Schule: "Nein, hier wollen wir, was wir tun". So kann man den Unterschied beschreiben. Es drückt unter anderem aus, dass Kinder etwas tun wollen.

Unser gegenwärtiges Schulsystem wie unsere generelle landläufige Auffassung von Lernen geht mehr oder weniger davon aus, dass eigentlich niemand - schon gar nicht Schulkinder - von sich aus etwas (lernen) will, dass es da schon jemanden braucht, der einem anderen etwas beibringt, und dass Lernen etwas Mühsames ist. Dass man sich hinsetzen und büffeln muss, und dass es deswegen ein gewisses Maß an Druck und Kontrolle braucht. Kurz gesagt: dass einer nur was lernt, wenn er dazu angehalten und am Ende das "Gelernte" geprüft wird.

Wagen wir kurz das Gedankenexperiment, dass Lernen auch anders gehen könnte. Schauen Sie sich ein kleines Kind an, sagen wir eine 2jährige, die ihre ersten Sandalen bekommen hat. Wenn wir sie lassen, kann sie beinahe stundenlang den Klettverschluss zu und wieder aufmachen, zu und wieder auf, Sandalen an und wieder ausziehen, an und wieder aus. Lernt das Kind dabei etwas? Natürlich: die Hände lernen nicht nur das Anziehen, sie werden ganz von alleine buchstäblich anhand dieser Tätigkeit geübter, die Feinmotorik geschult und darüber passiert sicher auch im Gehirn einiges an Verknüpfungen, von denen derzeit die Neurologen und Gehirnforscher viel sprechen. Steht jemand dabei und hält es dazu an, unterrichtet es und prüft dann das Gelernte? Hoffentlich nicht! Eigenartiger Weise lernen Kinder von Null bis 6 eine ganze Menge ohne Unterricht, ohne Druck und ohne Kontrolle. Sie lernen so viel so schnell wie wir es unser ganzes Leben nicht mehr tun. Aber das ist doch was anderes, mag jemand einwenden. Aber ist es das wirklich? Nur noch kurz bei dem Experiment bleiben: Was, wenn unsere herkömmliche Auffassung nicht wirklich stimmen würde? Was, wenn das wirklich so weitergehen könnte, wie es vor dem Schuleintritt geschieht?

In der neuen Broschüre unserer Schule steht als erstes der bemerkenswerte Satz von Olivier Keller:

"Der eigentliche Zustand eines Lebewesens ist nicht Trägheit, sondern Tätigkeit."

Davon müssen wir ausgehen und darauf müssen wir vertrauen (lernen). Sonst kann man als Eltern in so einer Schule nicht überleben. Denn der Druck von außen mit der Meinung, dass es eben nicht so ist, ist manchmal enorm groß, auch wenn unsere Schule seit bald 15 Jahren Tag für Tag genau diese Erfahrung macht, nämlich dass der ursprüngliche Zustand eines Lebewesens und damit auch des Menschenkindes nicht Trägheit, sondern Tätigkeit ist, dass also Kinder lernen können und wollen, auch wenn sie nicht gedrängt, bevormundet und kontrolliert werden. Im Gegenteil, dass wirkliches Lernen nur in Freiheit, aus eigener Initiative resultiert unter der Bedingung, dass Kinder sich geborgen fühlen und keine Angst zu haben brauchen - so wie es die Gehirnforschung heute bestätigt.

Vom inneren Lehrplan

Die entscheidende Frage ist, ob wir unsere Vorstellungen von dem, wie und was Kinder lernen sollten, so weit loslassen können, dass wir den Kindern ihren eigenen "Lehrplan" zugestehen, ob wir auch im Jahr 2005 die radikale Umkehr zum Kind vollziehen können, wie sie Maria Montessori in ihrer Zeit gelebt hat. Was sind die Bedürfnisse der Kinder im Allgemeinen hier und heute, und was braucht dieses konkrete Kind vor meinen Augen hier und heute. Und wo ist ihre Neugier, ihre Lust, ihre Energie?

Natürlich sollen Kinder in der Schule lesen, schreiben und rechnen lernen. Und sie sollen eine Ahnung bekommen von Geschichte, Geografie, Biologie, sollen in Berührung kommen mit den kreativen Kräften in Musik, Zeichnen und Werken. Die Erfahrung der Lindenschule - wie der vielen anderen Schulen, die ihr ähnlich sind - zeigt aber, dass das, worum es im Lehrplan geht, dennoch indirekt und ohne Zwang bzw. Kontrolle erfüllt werden kann. Die Praxis bestätigt immer wieder:

  1. Die meisten Kinder erlernen die so genannten Kulturtechniken wie nebenher, nicht selten wie unsichtbar für uns Erwachsene, oft in kürzester Zeit, auch wenn es manchmal zu einem anderen Zeitpunkt geschieht, als wir das gewohnt sind.
  2. Ihr Forschergeist und ihre Neugier bleiben lebendig und sie können in Projekten, die sie interessieren, bisweilen mit großem Einsatz und langem Atem vieles lernen und sich erstaunliches Fachwissen aneignen. Die Erfahrung, die auch im Regelschulsystem immer mehr zu so genannten fächerübergreifenden Projekten führt, dass nämlich im vertieften Studium eines Details quasi nebenher eine Menge anderer Dinge erlernbar sind und Strukturen des Ganzen sichtbar werden - diese Erfahrung können LindenschülerInnen im Grunde täglich machen, es ist sozusagen ihre Form von "Selbst-Unterricht".
  3. LindenschülerInnen haben darüber hinaus 9 Jahre Praxis im sozialen Miteinander von Kindern im Alter von 6-15 Jahren und mit Erwachsenen, die nicht über ihnen stehen, sondern ihre Prozesse begleiten. So ist es nicht verwunderlich, dass sie bei einem Übertritt in weiterführende Schulen oft am meisten davon irritiert sind, wie SchülerInnen untereinander und wie LehrerInnen und SchülerInnen in ihren Schulen miteinander umgehen. Wenn Konkurrenz und Beurteilung nicht ein entspanntes Miteinander erschweren, können auf natürliche Weise freundschaftliche Beziehungen wachsen. Wo die Beilegung von Konflikten und das soziale Miteinander zum Alltag einer jahrgangsgemischten Gruppe von Kindern und Jugendlichen gehört, die sich frei bewegen dürfen, braucht es kein Fach "soziales Lernen", sondern wird das Kind darin ebenso natürlich "geschult".

Abschied vom Diktat einer Vorbereitung auf die Zukunft

Im Grunde fragen wir nicht mehr danach, wie wir Kindern am besten all das beibringen, was sie lernen sollen bzw. können müssen, um in unserer Gesellschaft, v.a. um in der Konkurrenz um die knapper werdende Ware "Arbeitsplatz", bestehen zu können.

Wir fragen danach, was für Kinder adäquat ist, welche Umgebung sie brauchen, um ihrem "inneren Bauplan" (Montessori) weiter folgen zu können. Wir lassen das Diktat einer Vorbereitung der Kinder auf die Zukunft hinter uns, das wie ein Mantra heute überall erklingt, wo es um Ziele und Wesen der Schulbildung geht.

Die Erfahrung zeigt, dass die beste Vorbereitung des Kindes auf die Zukunft in der bestmöglichen Begleitung des Kindes in der Gegenwart liegt. In den gegenwärtigen Bedürfnissen und in den gegenwärtigen Lebensäußerungen. Ein achtsames Verweilen im Hier und Jetzt und die Anstrengung, das jeweilige Potenzial, das in jedem Entwicklungsschritt unseres Lebens liegt, zur Entfaltung zu bringen, ist nicht nur ein schöner Rat unseres spirituellen Lehrers Samstags beim Workshop oder in einem schönen Buch Sonntag abends auf dem Sofa. Leben funktioniert so von Anfang an. Und deswegen gilt dies auch für die Spezies "Schulkinder".

Die Erfahrung zeigt, dass Kinder in einer solchen Schule deswegen nicht hinter den Erfordernissen unserer Zeit zurückbleiben. Im Gegenteil: sie bringen oft das zusätzlich mit, was heute notwendiger denn je ist: Selbständigkeit, soziale Kompetenz, Kreativität und ForscherInnengeist.

Und: Sie können sich den Kontakt zu ihrem Innersten bewahren. Sie wissen, was sie wollen, und sie können Entscheidungen treffen. Alles Voraussetzungen, um "Arbeit zu finden".

Aber noch viel mehr: Voraussetzungen, um mündige und verantwortungsbewusste BürgerInnen einer Gesellschaft zu werden, die vor großen Herausforderungen steht.

Und nicht zuletzt: Voraussetzungen, um Sinn zu finden und glücklich zu leben. Was wollen wir mehr?

Das bedeutet nicht, dass wir auf Wolke 7 leben. Das Leben ist wunderschön, aber manchmal auch anstrengend. Auch in einer freien Schule. Sehr anstrengend sogar. Aber zu spüren, was in den Menschen und zwischen ihnen wächst und gedeiht, wenn sie in Freiheit leben, geliebt sind und keine Angst zu haben brauchen, entschädigt jede Mühe. In allem geht es dabei nicht nur um unsere Kinder. Mit ihnen können auch wir Erwachsene das wieder entdecken, was unser Leben lebenswert macht.

 

Lindenschule:

 

Schule mit Öffentlichkeitsrecht, seit 2002 bis auf Widerruf erhalten vom BMUKK

Unterdorf 80
6073 Sistrans
Österreich

Verein:     Lindenschule e.V., offizielle Schulerhalterin der Lindenschule

Obfrau:    Bernadette HALLER

ZVR:         783497544

Direktion: Priska HEITZER

 

Homepage:

Design und Installation: Valerie Braun, Birgit Margreiter
Webmaster: Martin WIESER

 

Inhaltliche und redaktionelle Verantwortung:

Diese Homepage ist durch die Arbeit und das Know How vieler ermöglicht worden. An dieser Stelle bedankt sich die Schule ganz herzlich für den Einsatz!

Fotos:

Andrea Berger & Lindenschule

Baum Copyright:

Nathalie Sequeira Taxer

Texte:
Anna Messner, Christine Abdel-Halim, Elli Jürschik, Anneliese Rösler-Heule, Christof Dornauer, Maria Jenner, Renate Schwanninger, Sigrun Kalleitner, Steve Heitzer, Petra Flieger, Nathalie Sequeira

Haftung:

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Die Lindenschule:

 

von Petra Flieger

Drei Achtjährige stehen in der Küche und backen miteinander einen Kuchen, eine größere Gruppe Sieben- bis Zwölfjähriger stellt spontan eine Aufsehen erregende Gerichtsverhandlung dar, vier Sechs- bis Zehnjährige denken sich im Montessoriraum Geschichten aus, drei sind in der Leseecke in Sachbücher vertieft.

Im Sekundariaraum büffeln drei Vierzehnjährige Englischgrammatik, zweien raucht der Kopf bei Geometrie, sie diskutieren gerade intensiv mit einer Lehrerin.

Im Werkraum sägen und hämmern einige Schülerinnen an Objekten aus Holz, im Kapplabereich erweitern vier Schüler ihre Welt aus kleinen Hölzchen, an der sie seit einigen Tagen miteinander bauen.

Draußen im Garten macht eine Lehrerin mit zwei SchülerInnen Feuer: Selbst Gegrilltes zur Jause ist bei vielen sehr beliebt. Neben dem Kräuter-, Blumen und Gemüseschulgarten spielen auf der großzügigen Wiese schon die Ersten Fußball. Nach und nach werden sich immer mehr SchülerInnen dazugesellen, denn das gemeinsame Fußballspielen der sechs- bis 15-jährigen Buben und Mädchen ist in der Lindenschule ein sehr beliebter Fixpunkt am Ende eines Schulvormittags in der wärmeren Jahreszeit.

Momentaufnahmen wie diese veranschaulichen sehr gut das pädagogische Konzept der Lindenschule: In einer vielfältig und offen vorbereiteten Umgebung bestimmen und gestalten alle SchülerInnen ihre Aktivitäten selbst. Dies tun sie einerseits sehr stark im sozialen Austausch bzw. in Kooperation mit ihren KollegInnen, andererseits in Begleitung von Erwachsenen. Den Rahmen dafür bilden neben dem konkreten räumlich-materiellen Angebot klar definierte Regeln für Abläufe und soziales Miteinander, die in Schulversammlungen gemeinsam erarbeitet worden sind und nach Bedarf angepasst werden können. Freies, kreatives Spielen und Gestalten haben in der Lindenschule ebenso Platz wie die Beschäftigung mit Kulturtechniken oder die vertiefte Auseinandersetzung mit Themen, die die SchülerInnen für größere Projekte selbst vorschlagen.

1991 von einer Elterngruppe initiiert, befand sich die Schule in den ersten 12 Jahren in Innsbruck, 2003 übersiedelte sie in ein mehrstöckiges Haus mit sehr großzügigem Garten in Sistrans, einer kleinen Gemeinde im Großraum Innsbruck. Ausschlaggebend dafür war unter anderem der Wunsch, mit der pädagogisch ähnlich orientierten Kindergarten Grätschenwinkel unter einem Dach zu sein und zu kooperieren. Das klappt nun sehr erfolgreich, denn abgesehen davon, dass aus Grätschenwinkelkindern regelmäßig LindenschülerInnen werden, gibt es auch im Alltag viel bereichernden Austausch zwischen den kleinen und größeren Kindern bzw. Jugendlichen. Diese altersheterogene Mischung ist überhaupt sehr charakteristisch, denn obwohl die Schule grob in Primaria (Sechs- bis Elfjährige) und Sekundaria (mit fließendem Übergang von den Elf- bis 15jährigen) organisiert ist, finden Begegnungen zwischen älteren und jüngeren SchülerInnen überall und selbstverständlich statt.

Viele SchülerInnen verbringen ihre gesamte Pflichtschulzeit in der Lindenschule, es kommt aber auch immer wieder vor, dass Kinder nach vier oder fünf Jahren Grundschulzeit in öffentliche Hauptschulen bzw. Gymnasien wechseln. Der Überstieg wird individuell, in Absprache mit den Eltern und Kindern gestaltet und vorbereitet. In den vergangenen Jahren haben viele ehemalige LindenschülerInnen Berufsausbildungen abgeschlossen, maturiert oder Universitätsstudien begonnen. Geblieben ist ihnen nicht nur die Lust am Lernen, sondern auch eine tiefe Verbundenheit mit der Lindenschule.

Petra Flieger ist freie Sozialwissenschafterin und Mutter eines Lindenschülers.

Artikel erschienen im Freigeist 2/2010

Von Schulversammlungen, Führerscheinen und Schwertkampfregeln - Partizipationspädagogik in der Lindenschule --> pdf