Es ist halb acht Uhr morgens, ich habe gerade die Schule aufgesperrt, das Licht in der Garderobe angedreht und bin dabei, mir die Schuhe auszuziehen, als die ersten beiden Kinder atemlos zur Tür hereindrängeln.
"Erster!" keucht Aaron, der die Klinke eine Sekunde vor seinem Freund Lewin berührt hat. Erst jetzt haben die beiden Zeit, mich wahrzunehmen und zu begrüßen und nachzufragen, wer außer ihnen eventuell schon da sein könnte.
Bevor die nächsten Kinder kommen, nutzen wir die kurze Gelegenheit zum Plaudern - so erfahre ich, welche Schnecke gestern beim Schneckenwettrennen gewonnen hat und was Aaron seinem besten Freund zum Geburtstag basteln will.
Dann gilt die Aufmerksamkeit den Neuankömmlingen - Spiele werden verabredet, heißerwartete neue Pickerln für´s Potter-Album werden durchgeschaut und getauscht, das Schuhe-Ausziehen ist da nur lästige Nebensache.
Inzwischen sind schon die meisten Kinder und Jugendlichen und alle Lehrerinnen eingetroffen - manche haben sich allein oder mit FreundInnen sofort zu irgendeiner Tätigkeit verzogen, andere warten noch ungeduldig auf die Ankunft ihrer Spielgefährten, um dann gemeinsam zu kochen, ein Rollenspiel zu machen, eine Geschichte zu erfinden oder sich gemeinsam etwas ganz anderes zu überlegen.
Jeden Morgen gibt es auch ein paar "Kuschelkinder", die erst einmal vom sicheren Schoß einer Lehrerin aus das Geschehen rund um sich herum beobachten, bevor sie sich eine Aktivität aussuchen oder sich von anderen Kindern inspirieren lassen.
Spätestens um halb neun wirkt der Garderobenbereich wieder ruhig und verlassen - außer, eine Gruppe von Kindern findet keinen anderen Platz zum Gummihüpfen, zwei Freunde wollen ein Geheimnis tauschen oder der erste Schnee lockt dreiviertel der SchülerInnen zu einer Schneeballschlacht nach draußen!